Erfolg oder Misserfolg – das ist hier die Frage

Hallo, hier ist Melania.

Ich melde mich nach einer langen und erkenntnisreichen Zeit zurück.

Wir hatten einen guten Sommer und ich kann Ihnen versichern, dass der nicht nur von Erfolgen geprägt war. Es gab auch Misserfolge. Dinge die einfach nicht geklappt haben.

Was ist aber ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg in unserem täglichen Handeln? Die Umstände, der Glaube, der Wille, die Fähigkeit, das glückliche Zusammentreffen von Ereignissen oder die Einstellung? Ich denke, es ist eine Kombination von allem. Für mich persönlich scheint die Einstellung, „es erreichen zu wollen“, eine besonders wichtige Rolle zu spielen.

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Was passiert eigentlich, wenn ein Unternehmen erfolgreich ist? Also ein Projekt erfolgreich abschließt?

Das Erste ist dann oft die Zuschreibung, wer dafür verantwortlich ist. Und dieses ist überall vom gleichen egozentrischen Verhalten geprägt:

Ich habe …

Ich hatte …

Ich habe das-und-das getan …

Ich habe veranlasst, dass …

Jeder zieht sich den Mantel des Erfolges über. Er kam, er sah und er siegte! Jede Abteilung will letztendlich ausschlaggebend für den Erfolg gewesen sein, und fast jede Führungskraft will ihren entscheidenden Anteil an ihm gehabt haben. Erfolg ist so leicht anzunehmen, und noch leichter ist es, sich damit zu schmücken. Jeder zieht gerne freiwillig Bilanz, lässt sich feiern und ist bereit, für die Zukunft zu analysieren, was man noch besser machen könnte.  Es macht Spaß, so zu arbeiten. Und es ist eine Freude, ein Unternehmen dabei zu unterstützen Erfolge zu feiern. Als Coach ist es dabei mein Job, kritisch auf den Erfolg schauen, um dem Coachee zu helfen, für die Zukunft noch besser zu werden. In dieser komfortablen Situation hört jeder gerne zu, wenn man an ihm Dinge kritisiert. Ein Sparziergang. Und trotz kritischer Rückmeldung fühlt sich jeder gebauchpinselt. Die Gespräche sind offen und die Lernbereitschaft innerhalb der selbstbestimmten Komfortzone ist vorhanden.

Wie aber sieht die andere Seite dieser glänzenden Medaille aus? Was passiert, wenn das Projekt ein Misserfolg ist?

Welche Abteilung ist dann bereit, ihren Anteil an dem Misserfolg laut und für alle hörbar zu verkünden? Wer verkündet dann laut den eigenen persönlichen Anteil an diesem Misserfolg? Wer zieht sich diesen Schuh nun freiwillig an? Wer übernimmt die Verantwortung für die Situation? Schuldzuweisungen, das Verschieben von Realitäten und das Vertuschen der eigenen Schwachstellen sind an der Tagesordnung.

Und wie sieht nun meine Welt als Coach, der Feedback geben soll, aus?

Schwer, kann ich Ihnen sagen, egal, wie smart ich es verpacke. Zugegeben, das ist nicht meine Stärke. Nur wenige Menschen sind bereit, das Scheitern als Chance zu erkennen, dazuzulernen. Klar, die Komfortzone sollte man dann besser verlassen. Die oben erwähnten Verbesserungsvorschläge werden nun nicht mehr locker und positiv aufgenommen. Kleine und große Fehler fallen bei Erfolg nicht sonderlich ins Gewicht, bei Misserfolg jedoch schon.

Schade, dass wir Menschen bei Erfolg so gerne dazulernen und bei Misserfolg Fehler als Schuld erleben und sie lieber den Umständen oder Anderen zuschreiben, als aus ihnen zu lernen. Es fällt uns schwer, eine Fehlerkultur zu leben, in der es vor allem um die Einstellung zu den Dingen geht. Was uns schwerfällt, ist der Wille, besser zu werden und zu begreifen, dass man gerade aus Fehlern viel lernen kann. „Okay-Menschen tun nicht Okay-Dinge“. Das ist einer meiner Lieblingssätze. Wenn ein Misserfolg da ist, dann wäre es doch traumhaft, den Willen zu entwickeln, es nie mehr zu einem solchen Misserfolg kommen zu lassen.

Es ist so unsexy Führungskräfte zu erleben die im Widerstand sind und Schuldzuweisungen von sich geben. Obgleich es offensichtlich ist, dass hier etwas nicht stimmt und durch emotionale Dramen Zeit und Energie verloren geht.

Eine „verlorene Schlacht“ heißt noch lange nicht, dass man den “Krieg“ verloren hat.

Misserfolge, die schnell erkannt werden, bergen so viel positive Kraft in sich und können Berge versetzen. Leider schauen viele Unternehmen viel zu lange zu, bis die Misserfolgskette nicht mehr zu stoppen ist.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass meine größten Lernschritte oft durch Misserfolge eingeleitet wurden.

lch wünsche mir für mich, mit meinen Misserfolgen genauso wertschätzend umgehen zu können, wie ich es mit meinen Erfolgen tue. Und ich wünsche mir Führungskräfte, die in der Lage sind, egal ob bei Erfolg oder Misserfolg, „Kai-Zen“ – also den Wunsch der stetigen Verbesserung – zu leben.

Die Dinge sind so, wie sie sind. Das bedeutet, Erfolge und Misserfolge in gleicher Weise zu analysieren und für sie die Verantwortung zu übernehmen. Es geht doch schließlich darum, die Gesamtsituation zu verbessern. Im Sinne von Kai-Zen muss es dann heißen: Er sah, er verstand, er verbesserte – ohne Befindlichkeiten – und er siegte.

Unser Leben ist viel zu komplex, ob im Berufsalltag oder zuhause, als dass wir Fehler vermeiden könnten. Wie sagte mein Bruder so nett: „Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man.“

Wichtig ist es, Verantwortung zu übernehmen und nicht Schuld-Dramen zu kreieren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele Siege und eine positive Einstellung zu den verlorenen Schlachten.

PS: „Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen“ (Viktor Emil Frankl).